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Eine
Idee und Material, was will man mehr? Nachdem die letzten Bilder mit zwei
Jahren Verspätung eintrafen, fünf Minuten nach Redaktionsschluß noch ein
ganzer Stapel schlechter Witze einging, alles noch einmal verworfen und vollständig
neu gestaltet wurde, können Sie nun diese Ausgabe der SUMPFPOST in Ihren
teuren Händen halten. Schönes
Wochenende! SWAMPZINE:
BERLIN,
BERLIN Brennende
Autoreifen, Schreie, Heulende Sirenen, Schüsse, ein Muhezin spricht sein
letztes Gebet. Ich steige über Müllberge und Stacheldraht. Suchscheinwerfer
werfen ihre Kegel an die Häuserwände. Alle Neune, denkt sich wohl auch eine
Gruppe bärtiger Gestalten mit Sangriaflasche im Anschlag. Ich nehme einen
letzten Schluck und blicke völlig aufgedunsen in die häßliche Fresse von NEUKÖLLN. Rufus Demuth
LEIPZIG Leinenpflicht
für Kinder Keine
Kontroverse bei Entscheidung im Stadtrat Von
HuSch Aufatmen
in Leipzig: Auf der gestrigen Stadtratssitzung wurde die sofortige Einführung
der Leinenpflicht für Kinder beschlossen. Sie gilt für das gesamte
Stadtgebiet. Freier Auslauf ist den kleinen Rackern
nur noch innerhalb gekennzeichneter, umzäunter Flächen gestattet.
Ferner werden in den nächsten Tagen Automaten aufgestellt, bei denen man
Kinderkotbeutel und Essensrestewischlappen kaufen kann. Stadträte
aller Fraktionen zeigten sich zufrieden und begründeten die Entscheidung einmütig
mit der steigenden Gefahr, die von freilaufenden Kindern ausgehe. Nachdem am
vergangenen Montag zwei Kinder durch Umhertollen einen Verkehrsunfall mit über
10.000 Euro Sachschaden verursachten, waren in Politik und Bevölkerung Unmutsäußerungen
lautgeworden. Kinder verängstigten ihre Mitmenschen, schädigten deren
Gesundheit durch Geschrei, gefährliche Spiele und unvorhersehbare plötzliche
Bewegungen im Straßenverkehr, so die einhellige Meinung vieler Bürger.
Sofort reagierte das Ordnungsamt. Amtsleiter Uwe H.*
erhöhte die Streifen in Straßen und
Parks um das Dreifache. “Es kann nicht angehen, daß Kinder
unbeaufsichtigt rumlaufen. Wer seine Aufsichtspflicht verletzt, hat ab jetzt
mit empfindlichen Strafen zu rechnen. Beim ersten Verstoß gibt es 25 Euro
Verwarnungsgeld; Wiederholungstäter bekommen einen Strafbefehl und das Kind
wird ins Heim gebracht. In Extremfällen kann ein Richter die Einschläferung
anordnen“, so H. Außerdem sollen verstärkt Steuermarken kontrolliert
werden. Wird ein Kind ohne Marke angetroffen, zahlt der Besitzer 20 Euro. Wenn
er nicht nachweisen kann, fürs laufende Jahr Steuern bezahlt zu haben, wird
das Kind eingezogen und die Steuern für das Lebensalter des Kindes nachträglich
erhoben. Erste Reaktionen der Bevölkerung waren positiv. In Briefen und Telefonaten an unsere Redaktion bedankten sich viele ältere alleinstehende Bürger. „Endlich kann ich sicher im Park spazieren gehen“, meint Elfriede Kästner aus Kleinzschocher. „Dieses plötzliche Aufspringen und das durchdringende hohe Schreien haben meine Adrenalinwerte ruiniert“, so die 81jährige weiter. „Bei dem Gebrüll konnte man nicht mal das zwei Etagen entfernte Radio hören!“, empört sich Gerüstbauer P. Roll (31).Allerdings hat die Stadtratentscheidung auch Kritik hervorgerufen: ein paar Mütter beschwerten sich am Abend über steigende Haushaltungskosten. „Um den Lärm und die kaputten Fensterscheiben zu kompensieren, wurde die Kindersteuer ja eingeführt“, erinnert sich Silke S. „Jetzt werden wir doppelt bestraft. Auch das Kinderfutter ist schon mal billiger gewesen.“ Über die
Kontrollen von Ordnungsamt und Polizei sowie die zukünftigen Vorkommnisse
werden wir Sie natürlich schnell, präzise und objektiv unterrichten. Lesen
Sie dazu auch: Mein sorgfältig erwogener Standpunkt Mein sorgfältig erwogener
STANDPUNKT
Bienchen
für die Stadtverwaltung Von ERICH LÖST, Schattenboxer Endlich hat die Stadt Courage gezeigt und durchgegriffen. Schlimm, daß es soweit kommen mußte. Die Leinenpflicht für Kinder, nach unzähligen Unfällen, Schreiattacken und Appellen der Bevölkerung im Stadtrat beschlossen, läßt viele wieder aufatmen. Aber warum so spät, werden sich viele Geschädigte fragen. Warum mußten erst Hunderte von Fensterscheiben mit Fußbällen zerschossen, Tausende Rentner umgerannt, Millionen Autos durch Auffahrunfälle zerbeult werden? Der Aufschrei der Kinderlobby ist unberechtigt. Sicher, es gibt Besitzer, die von jeher ihr Kind an der Leine halten, keine Eigenmächtigkeiten dulden. Aber sie sind gegenüber von vielen, die unverantwortlich handeln, in der Minderheit. Die Stadt muß sich nun auch fragen lassen, wann der Kinderführerschein kommt, der ungeeigneten Personen die Haltung von sogenannten „Schulhofrowdys“ verwehren soll. Leipziger
Zukunftstechnologen Farblos, leicht zu installieren und schallisolierend soll sie sein: Am Wochenende stellten Mitarbeiter der „Ruhe sanft“ GmbH Dösen die von ihnen in jahrelanger Tüftelei entwickelte Schallglocke vor. Sie biegt Schallwellen bzw. absorbiert sie irgendwie. Die Form ähnelt einer Käseglocke, Die Schallisolation lässt sich sowohl nach innen (kein Laut kann heraus) als auch in die Umgebung legen (kein Geräusch aus der Umwelt dringt hinein). Ursprünglich
wurde die Glocke für Tonstudios entwickelt, jedoch hat die Leipziger
Stadtverwaltung im Rahmen der Kampagne „Ruhe satt Ronja“ vier Großraumglocken
für die geplanten Kinderfreilaufflächen geordert. Ordnungsamtsleiter H.
zufrieden: „Die Schallglocke befreit uns von dem Problem, dass die Kinder
auf den Spielplätzen absolut nicht unter Lärmkontrolle zu behalten waren.
Auch die Einführung von geregelten Schreizeiten ließ sich nicht umsetzen.
Mobile Einpersonenglocken haben wir schon bei der F&E – Abteilung von
„Ruhe sanft“ Dösen in Auftrag gegeben und planen die obligatorische
Benutzung derselben durchzusetzen, was etwa mit der Anschnallpflicht im Auto
vergleichbar wäre. Karo
Usbeck Neue Hoffnung für den Osten Auch
in Leipzig brutale Gewalt mit Zerstörung und Todesopfern/ Arbeitslosenzahlen
sinken Nach
dem Bekanntwerden der schlimmen Gewaltexzesse an einer Berliner Hauptschule in
NEUKÖLLN lassen sich auch die erschütternden Ereignisse in Leipzig
nicht mehr wegschwindeln. Leipzig
ist das Zentrum der gescheiterten Integration, noch vor Pisa. Anderswo laden
sich Schüler brutale Videos auf ihr Handy, hier werden sie produziert. Ohne
Kalaschnikow traut sich kein Erstklässler mehr in die Schule, Eltern bringen
ihre Kinder morgens nur noch mit dem Panzer. Eine schräger Blick genügt und
die Lage eskaliert. Was früher ein harmloser Bordsteinkick war, wird heute
mit Panzerfäusten geregelt, nicht selten wird den Rivalen mit illegal mitgeführten
Stalinorgeln das Haus weggebombt. Wirtschaftlich
entwickelt die Messemetropole sich hingegen prächtig. Das neue
Luftfrachtkreuz am Flughafen ist bereits für den Umschlag von Waffen und
Klingeltönen ausgebucht, dabei hat der Bau erst begonnen. Der Kanal wird
fertiggestellt, mit Schiffen sollen die Trümmer weggefahren und in allen großen
Städten nach dem Vorbild des „Stadions der Hunderttausend“, das es gar
nicht mehr gibt, riesige Arenen gebaut
werden. Bestattungsunternehmen holzen auf eigene Faust den Auewald ab, um die
überdurchschnittliche Nachfrage an Särgen zu bewältigen. Abbruchfirmen sind
aus dem Häuschen. „Wir können uns kaum retten vor Aufträgen, brauchen
bald Unterstützung aus dem Westen“, ruft Atze S. „Kaum haben wir die
letzten Trümmer beseitigt, werden uns schon wieder drei neue Ruinen
gemeldet.“ Die Unternehmen erleben in Leipzig ihren zweiten Frühling und
die Sumpfpost hat ihre Auflage verdreifacht. Getreu
der Maxime: „Sozial ist, was Arbeit schafft“ bleibt Leipzig weiter
Modellregion. Gregor Mothes
BECKETT
BEIM BÄCKER einmal
traf ich samuel beckett am
ende der straße trafen wir uns wieder Hans-Jürgen Hilbig
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